INTERVIEW



INGO WESTPHAL
CEO Oskar Kinderland
Welche Eigenschaften sollte Ihrer Meinung nach ein geeigneter Mitarbeiter mitbringen?

Das kann ich pauschal und allgemeingültig so nicht beantworten. Ich kann Ihnen jedoch gerne sagen, dass für mich neue Mitarbeiter vor allem eine große Neugier mitbringen sollten. Sie sollten auch wirklich offen im Denken sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen regelrecht gefangen in ihren Denkmustern und Überzeugungen sind, aus denen Sie heraus permanent alles erklären wollen und letztlich eine sehr begrenzte Endlosschleife im Kopf haben. Für mich zeigt sich das darin, dass diese Menschen nicht wirklich zuhören können, denn während sie vermeintlich zuhören und nichts sagen, überlegen sie, was sie in der nächsten Sprechpause Schlaues von sich geben können. Ich denke auch, dass solche Menschen ihr Umfeld nur relativ oberflächlich wahrnehmen.
Oh je, jetzt habe ich mehr darüber geredet, was für mich ein geeigneter Mitarbeiter nicht mit bringen sollte … Also, genau das Gegenteil ist der Fall.

Worin liegen Ihrer Meinung nach Ursachen dafür?

Die Ursachen sind ganz sicher vielschichtig. Es ist irgendwie auch müßig sich darüber Gedanken zu machen, warum ein Teil unserer Mitmenschen so denkt.

Was tun Sie als Unternehmen für die Weiterentwicklung von Mitarbeitern?

Für mich liegt der Hauptpunkt für moderne zeitgemäße Unternehmensführung darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter wirklich persönlich wachsen können. Damit meine ich mehr, als in irgendeiner speziellen Tätigkeit besser und schneller zu werden sondern umfassender als Mensch. Das setzt voraus, dass es innerhalb des Unternehmens ein sehr hohes Maß an Transparenz und Vertrauen gibt. Ich denke auch, dass viel Lachen und trotz Ehrgeiz eine Art sportliche Lockerheit dazugehören.

Wir bilden z.B. im Unternehmen viele kleine Teams, die jeweils wenige, ganz einfache und vor allem nur durch diese Teams selbst zu beeinflussende Zielstellungen haben, die jederzeit ablesbar sind. Wie das Team dieses Ergebnis erreicht, obliegt ihm weitestgehend selbst. Also mit einfachen Worten: „Organisiert Euch selbst nach individuellen Stärken und Möglichkeiten! Probiert Euch aus, was zählt ist nur das Ergebnis.“ Eine Folge ist, dass viel mehr (die meisten) Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie auch am besten beurteilt werden können, in den einzelnen Teams.

Außerdem versuchen wir immer mehr Mitarbeiter, die ein besonderes Engagement in ihrem Tätigkeitsfeld zeigen, am unternehmerischen Erfolg finanziell zu beteiligen. Dadurch entwickelt sich eine bereichsübergreifende Sichtweise, Zusammenhänge werden klarer und der Einzelne übernimmt viel mehr Verantwortung und sieht sich als wichtigen Teil des großen Ganzen.

Herausfordernde Ziele im Team erreichen, mich voll mit einbringen, spüren, dass ich einen wichtigen Anteil an der Zielerreichung habe, Fehler machen dürfen und erleben, dass sich der Einsatz lohnt und anerkannt wird – ich glaube, danach sehnt sich bewusst oder unbewusst jeder Mensch. Wir sind auf dem bestem Wege eine Kultur zu entwickeln, wo unsere Mitarbeiter genau diese Erfahrung machen dürfen.

Herr Westphal, wo steht die Oskar Kinderland Gruppe in 5 Jahren ?

Was wir erreichen werden, steht fest, wie jedoch nicht genau. Das ist für mich auch das Fantastische an dieser spannenden Reise, denn wenn ich zurückblicke, wo wir vor 5 Jahren standen und was in dieser Zeit alles passiert ist, auf welchen Geschäftsfeldern und auf welchen Märkten wir uns tummeln.

Was sicher ist, dass wir unser Ziel mit vielen fantastischen und erfolgreichen Menschen in unserer eigenen Oskar Kinderland Welt erreichen werden.

Also Sie wissen nicht wie Sie Ihre Ziele erreichen wollen ?

Bei unserem mittelfristigen hochgestecktem Ziel „heute in 5 Jahren“ ist das in der Tat so.

Unsere Stärke sehe ich im eigentlichem Prozess des Entstehens, damit meine ich z.B. Dienstleistungen, Produkte, Geschäftsmodelle oder vorhandene Probleme solange zu hinterfragen, bis der Kern oder das „Was steckt wirklich dahinter“ offensichtlich wird. Das klingt vielleicht banal, ist es für mich nicht, denn je klarer und einfacher das Ergebnis je mehr Denkleistung steckt im Vorfeld drin. Im Grunde geht es bei unserer Wertschöpfung immer um den Abbau von Komplexität also wo ist das Einfache, das in der Regel auch das Geniale ist. Da wir keinerlei Einschränkungen haben, in welchen neuen Bereichen oder Branchen wir zukünftig tätig sind, und auch sonst keinen Traditionen verpflichtet sind, kann ich Ihnen nicht sagen, wie genau wir unser Ziel erreichen. Das ist für mich ein sehr spannender Punkt aber stellen Sie mir vielleicht die gleiche Frage in 5 Jahren.

Das Interview mit Ingo Westphal wurde am Rande der Unternehmertage 2012 in Potsdam von Inge Koess geführt




 
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